Professor Dr. Detlef Müller-Böling

MueBoe, the American: Eine Enthüllung

Dr. Ulrich SchreitererUlrichSchreiterer
Yale University

Schon als ich Detlef Müller-Böling das erste Mal begegnete – im Frühjahr 1995, das CHE war noch kein Jahr alt – beschlich mich ein komisches Gefühl. Irgendein Verdacht, dass etwas nicht ganz kosher war an dieser Magnifizenz, die jetzt den Geschäftsführer gab.

„Heimlicher Bildungsminister“ nannte ihn wenig später eine deutsche Wochenschrift. Aber als Dunkelmann erschien er mir überhaupt nicht, im Gegenteil: Was mich irritierte, war seine freundlich-lässige Art. Zum Beispiel, dass er bei der ersten Vorstellung der Projektrunde jeden am Tisch bat, allen anderen sein Lieblingsgericht, seine Lieblingsfarbe und die liebste Art, Urlaub zu machen, zu verraten – 1995 Nota bene, lange bevor die „Toscana-Fraktion“ traurige Berühmtheit erlangte! Schließlich befanden wir uns in Deutschland, nicht im launig-jeckigen Köln, sondern mitten im bierernsten Ostwestfalen, wo kein Steinhäger die schwere Scholle lockerte. Komisch, komisch. Warum machte der Mann solche Mätzchen, wovon wollte er ablenken? Da war doch was faul im Staate Bertelsmann! Was das Ganze wirklich zum Himmel stinken ließ, war Müller-Bölings Optimismus: Die Zeit sei reif für einen grundlegenden Wandel an den deutschen Hochschulen, die Bedingungen dafür günstiger als je. Nahm hier nicht jemand die Backen viel zu voll? Hatte er überhaupt eine Ahnung, wie viele Reformleichen im deutschen Hochschulmorast dahin moderten?

Eine überzeugende Antwort auf diese nagenden Fragen fand ich nicht. Vielleicht, sagte ich mir, war das ja alles nur betriebswirtschaftlicher Firlefanz. Aber ich nahm mir vor, auf der Hut zu sein. Bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel, sollte es bis 1998 dauern. Dabei hätte mich schon stutzig machen sollen, dass es Müller-Böling gleich nach der Auftakt-Veranstaltung des CHE in Gütersloh nach Kalifornien zog: „University in Transition“ hieß die angebliche Tagung, zu der er eine handverlesene Gruppe potentieller Mitstreiter im März 1997 nach Berkeley und Stanford verschleppte. Was wollte er so fern von Bommerholz mit denen aushecken? Erst ein Jahr später klingelte bei mir der Groschen – in einem Restaurant in San Francisco. Wenige Stunden vorher hatte ich in der Zeitung einen Artikel über die Geheimnis umwitterten „Secret societies“ an amerikanischen Elite-Unis gelesen. Nun fand ich folgenden Spruch im „Glücksgebäck“, das mit der Rechnung gekommen war: You are never fully dressed until you wear a smile on your face. „Wie nett“, dachte ich zuerst – und lächelte. Doch plötzlich „Bingo!“ – fügte sich die ganze Geschichte zu einer glasklaren Erkenntnis: MüBö’s Ständig-Gut-Drauf-Sein und das kalifornische Versteck gehörten zusammen wie ein Paar Schuhe: Müller-Böling war nicht nur „Im Kern gesund“, sondern war vor allem „Im Kern ein Amerikaner.“ Vor dem wild rauschenden Pazifischen Ozean hatte er seiner Truppe die „pledge of allegiance“ abgenommen, und das CHE war der Ableger einer amerikanischen „secret society“ in Deutschland. Heureka, das war des Pudels Kern. Anders konnte es doch gar nicht sein: Hochschulen in Deutschland und Hochschulen in Amerika „passen einfach nicht zueinander“, und wenn das selbst Loriot weiß, warum dann das teure kalifornische Tam-Tam? Und wenn jemand das Glas Wasser ständig als drei Viertel voll ausgibt, wenn doch vielleicht gerade mal der Boden bedeckt ist, dann kann das nur ein Amerikaner sein – ein echter Deutscher wäre zu so etwas niemals fähig! QED.

Dass Detlef Müller-Böling stets die Dortmunder Unschuld gab und sich eher die Zunge abgebissen hätte, als sich in seiner Herzenssprache zu verplappern, ist nicht verwunderlich. Erstens war das CHE ja schon von Anfang an infamer neoliberaler Komplotte bezichtigt worden, die deutschen Hochschulen zu amerikanisieren und als Penny-Stocks an die Wall Street zu bringen. Leider ist aus dem Geschäft nichts geworden – aber das hat andere Gründe, über die wir ein andermal spekulieren sollten. Und zweitens sind Amerikaner in Deutschland ja spätestens seit dem Amtsantritt von George Dabbeljuh so in Verschiss geraten, dass Müller-Böling hätte lebensmüde sein müssen, um sich als solcher zu outen.

Also hielt er den Ball flach – und das war gut so. Für das CHE – hätte es 1995 schon Google gegeben, wäre mir das Akronym sofort amerikanisch vorgekommen: Chronicle of Higher Education, heureka! – und für die vielen Menschen, die dort seit 1994 gearbeitet haben und von der optimistischen, zupackenden Art des Geschäftsführers und „spin doctors“ Mueller-Boeling viel profitiert haben. „Well done, Detlef – it was a pleasure and fun working with you!“

Ulrich Schreiterer

PS: Vielleicht habe ich mich ja auch geirrt… Wenn ich dran denke, dass Detlef Müller-Böling Dinner-Runden nicht pünktlich um 9.30 p.m. verlässt und nach einem langen Tag gern noch ein Pilsken in der Bar trinkt, beschleicht mich ein komisches Gefühl, dass dieser Amerikaner irgendwie nicht ganz echt ist…

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