Professor Dr. Detlef Müller-Böling

Seine Berufung an die Spitze des neu gegründeten CHE war ein Glücksfall

Prof. Dr. Klaus LandfriedKlaus Landfried
Präsident der Hochschulrektorenkonfrenz 1997 – 2003

Schon als Rektor der Uni Dortmund war Detlef Müller-Böling in der HRK uns aufgefallen, die wir ein neues, moderneres, d.h. gewandelte Bedeutung von Bildung und Forschung spiegelndes Bild von Hochschule entwickeln wollten. Er war ein wichtiger, aktiver Mitstreiter bei allen Diskussionen um die Reformkonzepte. Vor allem war er entschiedener und konsequenter als jene, die sich eher mitnehmen ließen, oft auch widerstrebend. Seine Berufung an die Spitze des neu gegründeten CHE war ein Glücksfall. Er vertiefte und systematisierte die Konzepte und trug heilsame Unruhe in die Hochschulen. Aber er ließ diese nicht allein mit ihren vielen, oft ängstlichen Fragen. Ein meisterlich konzipiertes Programm an Beratung, Schulung, Begleitung, Moderation half und hilft denen, die sich auf die „entfesselte Hochschule“ einlassen wollten.

Ist diese „entfesselte Hochschule“ heute Realität in Deutschland? Leider noch nicht. Nur etwas mehr als eine Handvoll Hochschul-Leitungen war bisher mutig, energisch und gescheit genug, Eigen-Verantwortung gegenüber ihren immer noch personell aufgeblähten (Landes)-Ministerien, auch gegenüber denen für Finanzen, wie auch gegenüber jenen Kräften im Inneren durchzusetzen, die noch immer glauben, mit den Palaverstrukturen eines scheindemokratischen akademischen Ständestaats das große Dienstleistungsunternehmen in der Wissenschaft, also die Hochschule, verantwortbar steuern zu können.

Eine große Zukunftsaufgabe, auch für Detlef Müller–Böling lautet daher: mit neuen Methoden und in neuen Strukturen den wissenschaftlichen Nachwuchs auf Management-Aufgaben in der Wissenschaft besser vorbereiten, die Überzeugungsarbeit in den Hochschulen und in der Politik verstärken, um die große Ressourcen-Verschwendung durch überflüssige Bürokratie und überflüssiges Palaver zu verringern. Müller-Bölings Freunde sollten dabei den verantwortungslosen Nostalgieorgien der traditionalistischen Zaunkönige ebenso entschieden entgegentreten wie den substanzarmen Verdächtigungspolemiken neomarxistischer Pfründen-Verteidiger.
©Klaus Landfried 2008

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