Professor Dr. Detlef Müller-Böling

Oma und Opa im doppelten Distanzlernen

Corona bringt vieles zustande, Unerfreuliches, aber auch neu Bereicherndes. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen beschloss am Freitag, 11. Dezember gegen 14.00 Uhr, dass die Kinder von der Schulpflicht ab Montag befreit sind. Aufregung in der Familie: Wie soll die Betreuung der Enkel so kurzfristig gehen bei zwei berufstätigen Eltern? Die Großeltern waren willig einzuspringen, wollten aber angesichts der Pandemie weiterhin auf körperlicher Distanz bleiben. Kurz entschlossen wurde das Double Distance Learning erfunden. Man könnte es auch doppeltes Distanzlernen nennen, aber das liegt nicht im „Mainstream“. Die Kinder erhalten ihre Lernstoffe und Aufgaben von den Lehrerinnen digital, leiten sie an die Großeltern weiter, bearbeiten und lösen sie und besprechen sie per Videotelefon mit Oma und Opa.

Das brachte zwar bei Oma und Opa den Tagesablauf vollkommen durcheinander, aber auch ungeahnte:

Lernerfolge

  • Einbalsamierung der altägyptischen Pharaonen – spannend
  • einen 1 ½ Stunden-Film auf einer DINA 4 Seite zusammenfassen – schwierig
  • drei verschiedene Additionsverfahren für Zahlen im 1.000er-Raum – interessant
  • Name der (gerade gewählten) Aachener Oberbürgermeisterin – vergessen, aber Internet-sei-Dank schnell gefunden
  • englische Vokabeln – erfrischende Auffrischung
  • Falten und Ausschneiden von Papiersternen – weihnachtliche Reaktivierung von Fertigkeiten
  • alte .asf-Videodateien von Microsoft öffnen und auf Mac abspielen – herausfordernd
  • wird fortgesetzt …

und Erkenntnisse

  • digital (auch doppelt) geht viel mehr als man denkt
  • 65 Jahre altes Schulwissen trägt, wird dankenswerterweise unterstützt durch mitgelieferte Lösungen der Lehrerin
  • das, was Eltern im 1. Lockdown nebenberuflich geleistet haben, ist einschränkungslos bewundernswert
  • Lehrerschaft und Schulleitungen baden die völlige Planlosigkeit und Hektik von Schulpolitikern und -ministerien aus und halten dennoch den Schulbetrieb am Laufen
  • wir sind beglückt und bereichert, denken aber auch schon mit Freude an die Ferien
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