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Vom Naturwesen zum Machtmenschen

Vom Naturwesen zum Machtmenschen
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In dem unscheinbaren Museum Monrepos in Neuwied bei Koblenz wird die Entwicklung der Menschheit besonders eindrucksvoll präsentiert. Betrieben wird es auf der Basis der Forschungsergebnisse des Leibniz Zentrums für Archäologie (www.monrepos.leiza.de). Wir waren zum zweiten Mal dort und haben erneut „den langen Weg zurück zu Dir selbst und zu Deinen Wurzeln“ abgeschritten. Die nachfolgenden Texte stammen teilweise wörtlich von Erläuterungen zu den Exponaten im Museum.

Die Naturwesen – vor 7 bis 1,6 Mio. Jahren

Als Naturwesen fassen die Aussteller die ältesten Menschenformen in Afrika zusammen. Die verschiedenen Arten leben parallel nebeneinander mit einer Größe von unter 1,40 m, kurzen Beinen und langen Armen, großen Kiefern und kleinen Gehirnen( <400 ccm). Sie klettern überwiegend, können aber auch aufrecht gehen. Sie sind Raubtieren und Naturgewalten ausgeliefert, ertragen es, passen sich an – und überleben. Bereits vor 2,6 Mio. Jahren fangen einige von ihnen an, einfache Steinwerkzeuge herzustellen. Mit den scharfen Kanten können sie die Welt verändern. So lassen sich Hölzer oder Häute, Fleisch und Sehnen schneiden. Die robusten Naturwesen der Gattung Paranthropus (Fast-Mensch) sind mit Schädelfunden vor 2.3 Mio. Jahren nachweisbar.

robustes Naturwesen (Rekonstruktion aus Schädelfund)

Die Wunderkinder – vor 1,6 Mio. bis 300.000 Jahren

Die Wunderkinder beißen sich durch, weil sie cleverer sind als die anderen. Ihr Lebensraum ist nicht mehr der Regenwald, sondern die Graslandschaften und Steppen. Aus Afrika ziehen sie vor ca. 1,2 Mio. Jahren langsam nordwärts auch nach Europa. Sie werden bereits 1,80 m groß, haben lange Gliedmaßen und ein größeres Gehirn (ca. 900 ccm, heute ca.1.300 ccm). Ihre Arme sind kürzer im Verhältnis zu den Beinen, Das Gesicht schmal und flach. Sie ernährten sich überwiegend von Fleisch und entwickeln dafür technisch und ballistisch ausgereifte Speere, Wurfkugeln und Wurfhölzer. Allein die Speere sind auch nach heutigen Maßstäben mit Proportionen von 1,8 bis 2,5 m und ihrem Schwerpunkt optimal. Die Wurfkugeln gehören zu den ältesten Waffen des Menschen.

Wurfkugel 1,4 Mio. Jahre alt

Einen großen Entwicklungssprung gibt es, als die Wunderkinder vor 400.000 Jahren selbst Feuer machen und zum Wärmen, Zubereiten von Waffen und zum Garen von Nahrung nutzen.

Die Rudelmenschen – vor 300.000 bis 45.000 Jahren

Die Rudelmenschen wählen ihre Jagdstrategie gezielt nach dem Wild mit seinen typischen Verhaltensweisen, der gegebenen Situation und der Zahl und Fitness der Jäger. Ohne Teamarbeit und Lebenseinsatz kein Erfolg. In bewährten Jagdgründen sammeln sich im Laufe der Zeit die Knochen von tausenden Tieren. Strategien bei der Jagd sind:

  • Aussondern der kräftigsten Tiere, um sie einzeln zu töten
  • Viele Tiere töten, um dann nur die kräftigsten zum Verzehr zu schlachten
  • Die schwächsten Tiere, etwa Jungtier von der Mutter isolieren und dann töten
  • Spezielle Tierarten, etwa Bären im Winterschlaf überraschen

Die Gesellschaftstiere – vor 45.000 bis 14.000 Jahren

Die Menschen vor 40.000 Jahren rücken am Feuer zusammen und erzählen sich Geschichten. Sie ersinnen mystische Welten jenseits der Sinneswahrnehmung. So kommen Glaube und die Suche nach Höherem in unsere Welt.

Der aufrecht schreitende Löwe in Menschengestalt gehört zu den ältesten Kunstwerden der Menschheit (35.-40.000 Jahre). Die aus einem Mammut-Stoßzahn geschnitzte Statuette verkörpert die Verbindung verschiedener Welten.

Das Gesellschaftstier will schön sein. Eine Tracht drückt gemeinsame Identität und gemeinschaftliche Ordnungsregeln aus. Sie symbolisiert Status, Herkunft und individuelle Lebensituation. Tracht bietet Orientierung, lässt aber auch Spielraum für individuelle Noten durch Schmuck, Körperbemalungen und Tätowierungen. Das ist wichtig bei der Partnerwahl. Geregeltes Zusammenleben braucht aber auch den Exzess. Nach Rausch und Erregtheit folgen verlässlich neue Gelassenheit und Kraft als Grundlage harmonischer Gemeinschaft. Lust, Leidenschaft und Tanz bestimmen das Lebensgefühl. Sexualität ist allgegenwärtig, ungezwungen und tabulos.

Die Siedlungsplätze sind gut organisiert und folgen festen Raumordnungen. Sie „wohnen“ und richten sich die unendliche Mammutsteppe ein. Das ist Heimat. In den großen, über viele Monate genutzten Gemeinschaftssiedlungen ist das besonders spürbar.

Alles Leben ist wertvoll. In der beseelten Mammutsteppe ist alles Leben miteinander verbunden. Dem Leben folgt der Tod, folgt das Leben. Die Toten werden mit individuellen Beigaben geschmückt, in rot geweihter Erde bestattet.

Die Platzhirsche – vor 14.000 bis 8.000 Jahren

Vor 14.000 Jahren beginnen die Menschen ihre eigene, individuelle Existenz aufzubauen. Mein Grundstück, mein Haus, meine Verantwortung. Zukunft eigenverantwortlich gestalten, sich selbst verwirklichen. Ein junges Verhalten!

Eigentum macht erfinderisch: Platzhirsche wirtschaften mit Kalkül. Sie entwickeln effiziente Lösungen, um ein Maximum hochwertiger Reserven zu produzieren und als Vorräte zu horten. Wer viel ernten will, muss seine Ressourcen intensiv pflegen.

Beispiele dafür:

Fischerei: Die Fangmethoden umfassen sowohl den Massenfang als auch die Jagd auf einzelne Großfische. Spezialisierte Gerätschaften und Fangsysteme sind optimal auf Fischart und Fangsaison abgestimmt.

Nussindustrie: Die Platzhirsche begründen unsere heutige Ernährungsweise, auf dem Anbau von Pflanzen basierend. Fette Haselnüsse und andere wilde Früchte werden auf spezialisierten Erntepätzen aufwändig verarbeitet. Überschüsse bilden wertvolle Vorräte.

Holzwirtschaft: Holz wird fachkundig für verschiedenste Baukonstruktionen und Gerätschaften genutzt. Zur Holzernte und -verarbeitung wird ein spezialisiertes Werkzeugsortiment hergestellt.

Die Platzhirsche wirtschaften mit Weitblick. Ressourcensichernde Langzeitstrategien sichern das Überleben der Nachkommen. ABER …

Die Machtmenschen – seit 8.000 Jahren

Ein sehr frühes Zeugnis für diese Entwicklung findet sich in einer Höhle in Bayern.

Ende der Ausstellung …

Persönlicher Rückblick der Menschheitsentwicklung von einem „Wissensmenschen“

Die Forschung zeigt, dass wir die ersten 7 Mio. Jahre unserer Entwicklung rücksichtsvoll und fürsorglich mit unseren Mitmenschen und der Natur umgegangen sind. Erst seit 8.000 Jahren leben wir gewaltvoll und kriegerisch gegenüber unseren Artgenossen – und das mittlerweile in großem Stil und mit der Ausrottung ganzer Völker.

8.000 Jahre sind gerade einmal 1,1 Promille unserer bisherigen Erdenszeit. Und erst seit rund 100 Jahren (0,01 Promille) beuten wir Luft, Erde und Wasser in einem Maße so aus, dass die natürlichen Gleichgewichte der letzten 7 Mio. Jahre ausgehebelt werden.

Es müsste eigentlich auch für uns Machtmenschen, die mittlerweile auch „Wissensmenschen“ sind mit enormen wissenschaftlichen Erkenntnissen über Naturphänome und menschliches Miteinander, möglich sein, die Probleme zu überwinden. Die große Frage ist:

Wie bekommen wir die Machtmenschen,
die ja mittlerweile wissenschaftliche Fakten manipulieren und letztlich einfach negieren,
wie bekommen wir diese Machtmenschen dazu, Wissen über die Macht zu stellen?

Eine herkuleische Aufgabe und einen Nobelpreis für „Menschlichkeit“ wert.

Das Museum ist in jedem Fall einen Besuch wert. Dort kann man Exponate aus den verschiedenen Epochen sehen und bekommt Erläuterungen, wie die Wissenschaftler aus kleinsten Bodenfunden zu ihren Erkenntnissen kommen. Es ist etwas schwierig zu erreichen. Am besten gibt man „Monrepos 2, 56567 Neuwied“ ins Navi ein.

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